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Die CRJ 200 von JRollon nun auch bei Aerosoft erhältlich
Die CRJ 200 für den X-Plane 9 und 10 wurde heute von Aerosoft als Download veröffentlicht, die Box Version wird folgen.
Die Flight! Redaktion hat sich die CRJ 200 bereits in der Januar-Ausgabe 2012 genauer angeschaut.

Der Blick in die Zukunft – CRJ-200 von Javier Rollón
Die X-Plane-Gemeinde ist verwöhnt von teilweise hochqualitativer Freeware, die sich nicht vor den Payware-Konkurrenten zu verstecken braucht. Für jedes Payware-Flugzeug gibt es meist auch ein Freeware-Pendant, das man ähnlich gut benutzen kann, weshalb man sich den Kauf der Payware eventuell noch einmal überlegt.
Doch auch bei X-Plane gibt es sie: die unverzichtbaren Add-on-Flieger, auf die die Community sehnsüchtig und geduldig wartet und die einfach keinerlei Konkurrenz zu fürchten haben, weil sie grafisch und/oder technisch einfach wegweisend sind.

Ein solches Add-on ist die CRJ-200 des Spaniers Javier Rollón. Schon seit langer Zeit konnte man auf der Homepage des Entwicklers Preview-Bilder des ehrgeizigen Projektes bestaunen. Und was man da sah, machte Lust auf mehr! Recht früh wurde das Bild der Mittelkonsole des Fliegers veröffentlicht. Und die Details, die die Schubhebel und alle umliegenden Knöpfe, Hebel und Schalter sowie das FMS zeigten, ließen Zweifel aufkommen, ob dieses Bild nicht nachträglich geschönt wurde oder ob es tatsächlich möglich sein würde, diese Details auch im Simulator selbst umzusetzen. Mit derlei Bildern wurde die stetig wachsende Fangemeinde der CRJ-200 während der Wartezeit immer wieder „angefüttert“.
Und die Wartezeit zog sich hin! Stellenweise konnte man sogar befürchten, das gesamte Projekt sei eingestellt worden, doch so manche Verzögerung ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass der Entwickler ebenfalls für einige Standardflugzeuge im neuen X-Plane 10, so etwa die Standard-Boeing-747, verantwortlich war.

Dann endlich war es so weit! Release der neuen CRJ-200 für X-Plane 9! Zu beziehen ist das gute Stück über X-Aviation.com zu einem Preis von rund 60 $. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass das Basisprogramm X-Plane 10 für rund 80 $ über die Ladentheke gehen wird und X-Plane 9 mittlerweile wohl schon für weniger als den Preis dieses Add-ons zu haben ist. Der treuen Anhängerschaft, die die Entwicklung so lange begeistert verfolgt hat, scheint es egal zu sein und so hat sich die CRJ-200 schnell auf Platz 2 der Bestsellerliste von X-Aviation.com aufgeschwungen und rückt der bisherigen Nummer 1, der Mitsubishi M2 Marquise, gehörig auf die Pelle.
Doch was bekommt man für diesen Preis? Lohnt sich die Investition? Und können die hohen Erwartungen vom fertigen Produkt tatsächlich erfüllt werden? Anders als bei anderen X-Plane-Add-ons besitzt die CRJ-200 einen eigenen Installer, der ausgeführt werden muss. Wichtig hierbei ist, dass man bei der Installation nur das X-Plane-Hauptverzeichnis angibt und nicht versucht, die Maschine in einen eigenen Unterordner zu installieren, sonst funktioniert das Ganze nämlich später nicht ordnungsgemäß. Neben dem Flugzeug an sich installiert der Installer nämlich noch extra Skripts und Programme, welche die reibungslose und systemtiefe Simulation der CRJ sicherstellen.

Nach der Installation bin ich so verfahren, wie ich es des Öfteren bei neuen Flugzeugen zunächst tue: Handbücher ignorieren und ab in den Simulator. Bei vielen Maschinen klappt das auch ganz gut, weil Triebwerksstart, Autopilot und andere Systeme dem X-Plane-Standard entsprechen und oftmals mit nur einem Knopf funktionsfähig zu machen sind. Anders bei der CRJ-200: Nach dem Programmstart sitzt man in einem wirklich aufwändig gestalteten Cockpit, das zeigt, dass die oben genannten Preview-Bilder keineswegs nachbearbeitet waren. Gestochen scharfe Texturen, ein ganzer Haufen Schalter, Hebel, Knöpfe, der überwiegende Teil davon auch bedienbar und mit Funktion. Sogar die Texturen im Fußraum, bei denen bei anderen Maschinen gerne mal geschludert wird, lassen hier keine Wünsche offen und tragen deutlich zum realistisch wirkenden Gesamteindruck bei.
In dieser Arbeitsumgebung mache ich mich also ans Werk und versuche auf eigene Faust die Triebwerke zum Laufen zu bringen … und scheitere daran. Paradoxerweise freut mich das, scheint doch der Triebwerksstart hier tatsächlich höhere Ansprüche zu stellen als nur ein bis drei Knöpfe in beliebiger Reihenfolge zu drücken. Also raus aus dem Simulator und die Dokumentation studieren.
Und die hat es wirklich in sich. Das Haupt-Handbuch hat insgesamt rund 150 Seiten und befasst sich mit allen steuer- und bedienbaren Systemen der virtuellen CRJ-200. Hierin erwähnt der Autor auch, dass er bei der Entwicklung eng mit einem realen CRJ-200-Piloten zusammengearbeitet hat, um alle Aspekte der Maschine so realitätsgetreu wie nur möglich zu gestalten.
Neben diesem Handbuch liegt auch ein Tutorial bei, das einen Flug von Salamanca nach Valencia vom Triebwerksstart aus dem „Cold & Dark“ bis hin zum Abstellen der Maschine am Zielort zeigt. Dieses Tutorial ist es auch, das einen relativ schnellen Einstieg ermöglicht. Besonders gut: Wer keine Lust hat, das Tutorial zu lesen, der kann sich auf der Homepage des Entwicklers in einem über einstündigen Video auch den gesamten Tutorial-Flug inklusive Erklärungen anschauen.

Neben Handbuch und Tutorial gibt es natürlich auch die obligatorischen Checklisten dazu. Und diese müssen tatsächlich abgearbeitet werden und sind nicht bloße atmosphärische Dreingabe wie bei anderen Flugzeugen. Hat man zum Beispiel vergessen, die „Yaw Damper“ zu aktivieren, lässt sich der Autopilot nicht einschalten. Immer wenn man glaubt, man habe einen Fehler in der Programmierung gefunden, ist dieser meist auf nicht ordnungsgemäßes Abarbeiten der Checkliste zurückzuführen. Das Forum des Entwicklers zeigt dies in vielfacher Variation.
Diese Systemtiefe offenbart sich in allen Bereichen. So benutzt die CRJ-200 ein FMS, wie man es in X-Plane bislang nicht kannte. Hier können lediglich externe FMS-Add-ons mithalten. Flugpläne eingeben, Routen speichern, ändern, abfliegen, Positionseinstellungen, NAV und COM-Management – alles ist damit möglich.
Damit die Bedienung im virtuellen Cockpit dabei nicht zur Fummelarbeit wird, lassen sich alle Monitore im Cockpit mit einem Klick auf diese vergrößern und als unabhängige Fenster verschieben, und im Fall des FMS auch direkt mit der Maus in der vergrößerten Ansicht bedienen.
Bei aller Systemtiefe sollten aber auch das Fluggefühl und die Steuerbarkeit nicht in den Hintergrund geraten, denn beides ist auch ausgesprochen gut gelungen, allerdings wird man aufgrund der vielen zu beachtenden Dinge die CRJ nur selten per Hand steuern, sondern dankbar die Hilfe des Autopiloten in Anspruch nehmen, um sich dann wieder der Einstellung und Überwachung der Systeme zu widmen. Hier wird deutlich, dass der Alltag eines Verkehrspiloten eben nicht aus dem Einschalten des Autopiloten und dem gemütlichen Zurücklehnen im Sessel besteht, sondern darüber hinaus jede Menge Aufgaben zu erledigen sind, will man nicht das Leben seiner Passagiere aufs Spiel setzen.
Neben der Systemtiefe ist die CRJ-200 auch technisch gesehen richtungsweisend und holt das Letzte aus X-Plane 9 heraus. Dank der Zusatzscripts und Hilfsprogramme nutzt die CRJ-200 nämlich, im Vergleich zu X-Plane 9 an sich, alle vier Kerne eines entsprechenden Prozessors. Somit wird gezeigt, was mit X-Plane 9 noch alles möglich ist, gleichzeitig wird eine Brücke zur neuen Version 10 geschaffen.

Da mein bisheriger PC vor kurzem seinen Geist aufgab, kam ich in den zweifelhaften Genuss, die CRJ-200 auf zwei unterschiedlichen Systemen zu testen. Mein alter Rechner verfügte zwar über einen Quad-Core-Prozessor, allerdings war die Grafikkarte schon etwas betagt. Hier kann man deutlich sagen, dass die Vierkernunterstützung der CRJ leider nicht ausreicht, um ältere Grafikkarten auszugleichen. Im neuen Rechner werkelt eine ATI Radeon HD der 9000er Serie, also auch noch nicht das obere Ende der Möglichkeiten, erzeugt jedoch ein durchaus brauchbares Ergebnis in den Bildwiederholraten, ohne Abstriche bei der grafischen Qualität zu machen.
Fazit: Die CRJ-200 ist ein Blick in die Zukunft. Sie zeigt, dass X-Plane, auch bereits in der Version 9, durchaus zur Simulation von hoher Systemtiefe geeignet ist. Bei dieser Maschine ist so ziemlich alles richtig gemacht worden, was richtig gemacht werden kann und muss: Sie ist optisch ansprechend, sowohl von außen als auch im sensationellen virtuellen Cockpit, sie ist gut zu bedienen, was unter anderem an den vergrößerbaren Monitoren liegt, und ist dabei nicht nur auf High-End-Rechnern lauffähig. Durch dieses und andere hochqualitative Produkte, die die Möglichkeiten des X-Plane 9 komplett ausschöpfen, könnte bei X-Plane eine Situation entstehen wie seinerzeit beim Microsoft Flight Simulator, als der FSX veröffentlicht wurde: So werden sich vermutlich nicht sofort alle Benutzer, wie von den Entwicklern gewünscht, auf den neuen X-Plane 10 stürzen, sondern es dürfte vermutlich auch noch einige geben, die dem „Alten“ die Treue halten und diesen einfach weiterhin benutzen. Bei Add-ons dieser Qualität ist das auch durchaus verständlich. Die CRJ-200 ist in jeder Hinsicht ihren relativ hohen Anschaffungspreis wert und gehört in die Sammlung eines jeden X-Plane-Piloten, der mehr haben will als ein Spielzeugflugzeug.
Pro / Contra:
+ Systemtiefe bislang in X-Plane unerreicht
+ Virtuelles Cockpit extrem detailliert
+ Unterstützung von Mehrkernprozessoren
+ X-Plane 10 kompatibel
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